Kommasetzung: „etwas liegt näher als“

Heute bin ich über einen Ausdruck gestolpert, bei dem ich aus dem Gefühl heraus innerhalb eines Satzes automatisch ein Komma gesetzt hätte:

„Was liegt also näher als (Markenname)“

Es handelt sich, wie unschwer zu erkennen, um einen Satz für Marketingzwecke. Insofern ist korrekte Satzzeichensetzung vermutlich gar nicht mal so wichtig.
Mir wäre das Problem auch gar nicht weiter aufgefallen, wenn nicht jemand hier im Büro mit dem Satz zu tun gehabt hätte und gleich darauf hätte hinweisen müssen, dass das Komma weg gehöre. Diese Meinung wurde auch gleich von einem zweiten Kollegen unterstützt.

Ansich nichts ungewöhnliches, nur hätte ich es eben _mit_ Komma geschrieben, daher musste ich etwas nachforschen…

Und tatsächlich: auf canoo.net kann man die amtlichen, deutschen Rechtschreibregeln, wie sie ab dem 1. August 2006 gelten, einsehen – und unter den Paragraphen §71 – §79 findet man die Regelung für die Kommasetzung.

§74 (E3) sagt aus, dass Vergleiche mit „als“ oder „wie“ in Verbindung mit einer Wortgruppe oder einem Wort nicht als Nebensätze gelten, somit wird kein Komma gesetzt.

Man könnte sich nun darüber streiten, ob es sich bei dem betreffenden Satz um einen Vergleich handelt: „etwas liegt näher als etwas anderes“. In diesem Fall wäre es tatsächlich ein Vergleich, da eine Lokalität näher als eine andere Lokalität liegt.
Der oben genannte Satz beinhaltet aber einen Ausdruck, der eigentlich nichts mit geographischen Entfernungen zu tun hat.

Vielmehr ist der ganze Satz verkürzt worden, sodass er vollständig folgendermassen lauten müsste: (ich ersetze hier mal den Markennamen durch „ein Bier“, damit es mit dem Verb klappt).

„Was liegt also näher, als ein Bier zu trinken.“

Somit haben wir den Fall aus Paragraph §75 der amtlichen Regelung:

§ 75 Infinitivgruppen grenzt man mit Komma ab, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist.

1. die Infinitivgruppe ist mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet:
Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Das Kind rannte, ohne auf den Verkehr zu achten, über die Straße. Statt am Bericht zu arbeiten, vergnügte sich Herbert mit Computerspielchen. Ihr fiel nichts Besseres ein, als zu kündigen. Ihre Forderung, um das noch einmal zu sagen, halten wir für wenig angemessen (siehe auch § 77 (1)). Er, ohne den Vertrag vorher gesehen zu haben, hatte ihn sofort unterschrieben (siehe auch § 77 (6)).

(…)

Soweit lässt sich also mein ursprüngliches Gefühl bestätigen, dass das Komma an der Stelle korrekt war. Im Endeffekt ist es aber wohl nur Geschmackssache und in einem Werbeslogan würde ein Komma wohl nur stören. Ich hätte jedenfalls nicht das konkrete Gefühl, dass da ein Komma fehlt, wenn mir so ein Konstrukt in der freien Wildbahn vor die Füsse fallen würde…

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