CodeCharge 4 – Testbericht

Da ich möglicherweise demnächst an einem Projekt für einen Kunden arbeiten werde, der mit CodeCharge Studio (kurz CCS) arbeitet, schreibe ich hier einen (kurzen?) Erfahrungsbericht zusammen.
Interessant ist es für mich allemal, da einem CCS alle möglichen stupiden Arbeiten abnehmen soll, die man als PHP-/MySQL-/Webentwickler sonst immer wieder mühsam zusammenfrickeln muss (es sei denn man hat sich über die Jahre hinweg bereits ein kleines Framework aufgebaut). Somit ist auch schon klar, dass meine Schwerpunkte bei PHP, MySQL und eventuell AJAX, bzw. JScript liegen werden.

Ich bin wohl vor ca. 5 Jahren schon einmal mit CodeCharge in Berührung gekommen, als ich im Auftrag meines damaligen Arbeitgebers die komplette, ausgelagerte Entwicklungs-Abteilung von Hamburg nach München überführen musste, damit die Entwicklung direkt im Hause meines Arbeitgebers vonstatten gehen konnte. Ich arbeitete mich damals in die vorhandenen Projekte ein und übernahm dann selbst einige davon, führte aber auch neue Mitarbeiter in die Projekte ein.
Diese Projekte waren wohl mit CodeCharge realisiert worden, was mir aber bei der Übergabe niemand gesagt hatte. Daher waren wir quasi gezwungen, den vorhandenen Code manuell zu verändern bzw. grosse Teile neu zu schreiben.

Seit dem habe ich mit CCS nichts mehr am Hut gehabt. Letzten Monat konnte ich aber bei dem bereits erwähnten Kunden kurz beim Arbeiten mit CCS über die Schulter schauen, wobei ich mir noch kein so rechtes Bild davon machen konnte.

Daher jetzt ein erster Testbericht:
Das CodeCharge Studio 4 lässt sich als 20-Tage-Trial-Version herunterladen. Die 20 Tage beschränken sich anscheinend tatsächlich auf Arbeitsdauer und zählt nicht einfach ab Installation die Kalendertage herunter. Zumidest lässt es sich jetzt starten, obwohl ich das Studio bereits vor einigen Wochen installiert hatte und mangels Zeit noch nicht benutzten konnte.

Erstes Problem: ich kann kein Projekt-Verzeichnis auf einem Netzlaufwerk verwenden! In meinem Fall ist es sogar eigentlich nur ein Shared-Folder, zu meinem Linux-Host-System, da ich CCS in einer virtuellen Windows-Maschine laufen lasse. Aber die Doppel-Slashes scheinen CCS zu stören:

Projektpfad ist “falsch”

Nagut, halb so wild, wird eben ein lokales Verzeichnis benutzt 😉
Das Studio kommt bereits mit diversen Demos geliefert. Ich habe mir den „Task Manager“ zum Testen ausgesucht. Nach erfolgreichem Anlegen des Projektes sehe ich nun auf der linken Seite eine Übersicht aller Elemente des Projektes in Form eines Trees, aufgeteilt in Pages, Diagrams, Connections, Ressources und Common Files. Oben gibt es ein recht übersichtliches Menü, sowie zwei Icon-Bars, ganz so wie man es zum Beispiel aus MS Word kennt. Rechts gibt es eine Toolbox und ein Properties-Fenster, unten sitzt eine Message-Box, vermutlich für Warnungen und Fehlermeldungen im Code und der grosse mittige Bereich ist für den Code des jeweiligen ausgewählten Dokumentes vorgesehen:

Projektansicht

Im Grossen und Ganzen sieht es nach einer klassischen Aufteilung des Bildschirms aus, wie bei Microsofts „Visual Studio“ oder der Developer IDE der Eclipse Foundation. Letztere war übrigens die vergangenen Jahre das Entwicklungs-Werkzeug meiner Wahl.

Zweites Problem: Routinemässig richte ich für jedes meiner Projekte eine Versionskontrolle ein. Früher ging das für mich unter Visual Studio mit SourceSafe, später unter Linux mit CVS und inzwischen mit SVN, welches gegenüber CVS moderner ist. CCS bietet auch eine „Source Control“ an, welche sich aber anscheinend standardmässig auf CVS stützt. Jedenfalls wird bei mir gleich das Fehlen der „Cvs EXE“ bemängelt, es wird mir aber die Angabe einer Applikation angeboten:

No CVS exe

Ich sehe hier auf die Schnelle leider keine Möglichkeit SVN (bzw TortoiseSVN) innerhalb von CodeCharge zu benutzen. Da sich TortoiseSVN sowieso direkt in Windows integriert, sehe ich hierbei aber keinen übermässigen Nachteil, wobei es schön gewesen wäre, das innerhalb von CCS zu haben.

Drittes Problem: ist eigentlich gar kein Problem. Bevor ich irgend etwas von den Programmier-Tools ausprobieren will, versuche ich, das Demo-Projekt so wie es ist auf meinem Apache2-Entwicklungsserver zum Laufen zu bekommen. Dafür habe ich folgende Publish-Optionen: Intranet und FTP. Na toll! Mit Intranet wird wohl ein Netzlaufwerk oder ähnliches gemeint sein, was quasi das erste genannte Problem adressiert. Will ich jetzt aber nicht, weil mein Produktionsserver, wenn ich einen benutzte, nicht im Intranet sitzen würde! FTP – hmm. Wer benutzt heutzutage noch FTP bitteschön? Ok, viel zu viele, aber das ist doch asbach-uralt und unsicher wie sau! Aber hier war ich wohl etwas zu voreilig, denn hinter FTP versteckt sich bei CCS auch die Möglichkeit, eine sichere Verbindung zu verwenden, sprich: SFTP! Das ist es, was ich will! 😀

Viertes Problem: ist kein CodeCharge-spezifisches Problem, aber es kostete mich dennoch einen haufen Zeit. Und zwar geht es um die Datenbank-Verbindung. In meinem Fall: MySQL – natürlich unter Linux. Dafür musste ich auf meiner Windows-Maschine erstmal einen ODBC-Treiber für MySQL installieren und die Datenbank-Verbindung in der Windows-Verwaltung einrichten. Das ging natürlich nicht auf Anhieb. Jedesmal dieser dämliche 10061-Fehler, obwohl ich für den DB-User extra _alle_ Hosts zulasse und keine Firewall laufen lasse. Naja, im Endeffekt war es die Zeile mit „bind-address“, die ich aus der my.cnf entfernen musste UND ein Neustart der kompletten MySQL-Applikation, ein einfaches Reload reichte leider nicht, worauf ich auch erst nach einigen Versuchen gekommen war…

Jetzt kann ich endlich das Demo-Projekt auf den Test-Server spielen und die DB-Verbindung funktioniert sogar sowohl im Entwicklungs-Modus als auch im Test-Modus und ich kann das Projekt über den Browser aufrufen. ABER: die Tabellen fehlen noch. Die Anwendung läuft, spuckt aber Meldungen aus, dass die Tabelle „tasks“ nicht existiert. Das kann ich sogar bestätigen – mit einem kurzen Blick auf die Datenbank: es existiert keine einzige Tabelle.

Fünftes Problem: Man kann die Home-Page des Projektes innerhalb von CodeCharge öffnen – übrigens einfach ein integrierter Internet Explorer vom System. Jedenfalls kommen nach dem Aufruf im Message-Fenster ein paar Meldungen, die aussagen, dass der Content generiert wird und zusätzlich poppt ein Status-Fenster mit Fortschrittsbalken auf. Das ist aber so schnell wieder weg, dass ich nicht sehen kann, was eigentlich da fortschreitet, es sieht aber so aus, als ob das der normale Publish-Vorgang wäre. Sofort erscheint eine Fehlermeldung:

Internetadresse falsch!

Sehr witzig! Die Adresse war am Anfang tatsächlich falsch, aber nachdem ich die passende Option in den Projekteinstellungen korrigiert hatte, kam der selbe Fehler wieder, nur diesmal mit der _richtigen_ Adresse :(
Im Browser (IE und FF), auf der selben Maschine, lässt sich genau diese Seite nämlich öffnen! Tja, was nun?
Könnte sein, dass dieser Fehler damit zusammenhängt, dass keine Tabellen generiert worden sind.
Ich komme jetzt erstmal nicht weiter. Schauen wir mal, wie es morgen aussieht 😉

2 Gedanken zu „CodeCharge 4 – Testbericht

  1. Hi,
    also ich arbeite seit 2001 mit CodeChargeStudio (also seit V1) und hatte von Anfang an keine Probleme.
    Was man sich vor Augen halten sollte ist, dass man von CCS nicht sollte, dass es schnell mal „husch pfusch“ eingerichtet ist.
    Wenn man sich aber die Zeit nimmt und einmal seine Entwicklungsumgebung eingerichtet hat (z.B.: XAMPP am Rechner, dort MySQL und PHP nach den Vorstllungen eingerichtet hat und danach CCS installiert) dann muss man immer noch sein Projekt einrichten:
    # DB Verbindung /user, …
    # Allgemeine Settings (Sprache, Version, …)
    # Security Settings
    # ….

    Das dauert beim ersten Projekt sicher auch noch ein Paar Stunden …

    Aber mittlerweile kann ich behaupten, dass ich ein neues Projekt in ca einer Std. fertig habe und coden beginnen kann (also wenn ich bei 0 anfange ohne XAMPP, und DB-Usern)

    Ich will es aber auch nicht beschönigen …. CCS ist am Anfang harte Arbeit …. aber es zahlt sich 100%-ig aus !!

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